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Das Klima in den Vorkommensgebieten der europäischen Landschildkrötenarten
am Beispiel eines typischen Klimas im Verbreitungsgebiet
der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri)
Lárissa, Griechenland.
Lage: 39° 37' N / 22° 15' O.
Höhe über Meer: 76 m
Quelle der Klimadaten: MÜLLER, M. J. (1996): Handbuch ausgewählter Klimastationen
der Erde. Universität Trier, Gerold Richter, Trier 1996
Warmgemässigtes, mediterranes Regenklima mit trockenen, heissen Sommern und feuchten,
regenreichen Wintern, meist mehr als fünf Regenmonate.
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J |
F |
M |
A |
M |
J |
J |
A |
S |
O |
N |
D |
JHR |
|
Mittl. Temperatur |
°C |
5.8 |
7.4 |
9.2 |
13.7 |
19.7 |
25.4 |
28.0 |
27.8 |
22.4 |
16.2 |
11.4 |
7.4 |
16.2 |
|
Mittl. Max. Temperatur |
°C |
10.0 |
12.9 |
15.1 |
20.4 |
25.7 |
31.3 |
34.4 |
34.0 |
29.1 |
23.1 |
16.3 |
12.1 |
22.0 |
|
Mittl. Min. Temperatur |
°C |
0.5 |
1.3 |
3.4 |
6.5 |
10.7 |
15.1 |
18.1 |
17.7 |
14.3 |
10.4 |
6.9 |
3.0 |
9.0 |
|
Mittl. rel. Feuchte |
% |
81 |
74 |
74 |
71 |
65 |
52 |
47 |
45 |
58 |
73 |
82 |
82 |
67 |
|
Mittl. Niederschlag |
mm |
51 |
40 |
49 |
35 |
45 |
30 |
15 |
13 |
31 |
88 |
64 |
61 |
522 |
|
Tage mit Niederschlag |
Anz. |
10 |
8 |
8 |
7 |
9 |
6 |
3 |
2 |
4 |
9 |
10 |
10 |
86 |
|
Sonnenscheindauer |
h |
104 |
129 |
156 |
228 |
272 |
295 |
339 |
326 |
259 |
170 |
130 |
83 |
2491 |
Der Vergleich der Temperaturverläufe eines typischen Vorkommensgebietes der Griechischen
Landschildkröte (Lárissa) mit den Klimadaten von Zürich zeigt mit aller Deutlichkeit
wie unser mitteleuropäisches Klima für die Haltung von europäischen Landschildkröten
ohne künstliche Erhöhung der Durchschnittstemperaturen ungeeignet ist. Rund 10 Grad
höher liegen die mittleren Temperaturen im Lebensraum der europäischen Landschildkröten.
Wer also eine artgerechte Haltung anstrebt, kommt nicht darum herum, Massnahmen
zu ergreifen, um annähernd die Temperaturen zu erreichen, die im natürlichen Habitat
herrschen. In der Praxis haben sich Frühbeetkästen mit Wärmelampe oder beheizte
Gewächshäuser bewährt, die einerseits bei Sonnenschein durch den Treibhauseffekt
die Temperaturen ohne zusätzlichen Energieverbrauch deutlich erhöhen und bei fehlender Sonne mittels Wärmelampe bzw.
Heizaggregat erwärmt werden können.
Doch nicht nur das Temperaturniveau ist zu simulieren, sondern auch die tageszeitlichen
sowie die jahreszeitlichen Termperaturverläufe sind zu berücksichtigen. Deshalb
kommt eine permanente Terrarienhaltung von europäischen Landschildkröten nicht in
Frage. Die kühlen Nachttemperaturen sowie die kühleren Temperaturen im Frühjahr
und im Herbst sind unter Terrarienbedingungen nicht simulierbar.
Die Südschweiz (siehe Temperaturkurve von Lugano) mit wesentlich wärmeren Temperaturen
als in der übrigen Schweiz ist vom Termperaturniveau in Griechenland ebenfalls noch
weit entfernt. Auch dort kann eine artgerechte Haltung nur mit temperaturerhöhenden
Massnahmen, wie oben erwähnt, erreicht werden.
Neben dem Temperaturniveau ist die Sonnenscheindauer für die Gesunderhaltung der
Schildkröte ein ganz entscheidender Faktor. Nur wenn die Schildkröte während der Aktivitätsphase
mit wenigen Ausnahmen die Möglichkeit hat, ihr tägliches Sonnenbad zu nehmen, kann der lebenswichtige
Stoffwechselkreislauf in Gang gehalten werden. Die wechselwarmen Reptilien sind
auf die Wärmezufuhr aus ihrer Umgebung angewiesen. Sobald die Sonnenscheindauer unter
150 Stunden pro Monat fällt, legt die Schildkröte natürlicherweise eine Aktivitätspause ein und begibt
sich in Winterstarre. Erst wenn die Anzahl Sonnenstunden wieder einen Wert über
150 Stunden erreicht, erwacht die Schildkröte im Frühjahr aus ihrer Winterstarre.
Unsere mitteleuropäischen Sommermonate sind gegenüber denjenigen im Mittelmeerraum
viel zu regenreich. Auch hier gilt es, in unseren Breitengraden die Klimasituation
im natürlichen Lebensraum, eine Trockenzeit, zu
simulieren. Die Überdachung von grösseren Gehegeflächen bietet der beste Schutz
vor den bei uns leider oft auftretenden, wochenlangen Schlechtwetterperioden.
Der Unterschied der relativen Feuchtigkeit zwischen Zürich und Lárissa ist beträchtlich
und ist vor allem bei der Aufzucht von Jungtieren zu berücksichtigen. Jungtiere
bevorzugen im natürlichen Lebensraum ein recht feuchtes Mikroklima, z.B. leben sie
in kleineren Senken, in der Nähe von buschbewachsenen Bachläufen oder Buschhecken.
Sie
kommen sehr häufig in tieferen Regionen als ihre geschlechtsreifen Artgenossen
vor. Im Jungtiergehege
kann ein periodischen Übergiessen mit leicht temperiertem Wasser die erforderliche
Feuchtigkeit herbeiführen.
Schlussbemerkung
Zu berücksichtigen ist, dass der hier gezeigte Vergleich der Klimadaten nur beispielhaft
sein kann. Der Lebensraum der drei europäischen Landschildkröten ist riesig und
umfasst verschiedene Klimatypen. Besonders die Maurische Landschildkröte (Testudo
graeca) bewohnt neben dem europäischen Festland auch nordafrikanische Gebiete
mit noch wesentlich heisserem und trockenerem Klima. Die anhaltende Winterstarre
von Schildkröten in Europa weicht hier vorübergehenden Inaktivitätsphasen. Kühlere
Wetterphasen werden in Verstecken überdauert, um alsbald wieder die wärmende, afrikanische
Sonne auch im Winter zu geniessen. Von einer Winterstarre kann hier keine Rede sein.
So ist es doch für die Gestaltung der Schildkrötenhaltung und dem Simulieren der
natürlichen Klimaverhältnisse ganz wesentlich zu wissen, aus welchem Klimatyp die
zu betreuenden, mediterranen Landschildkröten stammen. Leider ist dies oft nicht
der Fall und damit eine Optimierung der Haltung bezüglich klimatische Bedingungen
kaum möglich.
Die häufig anzutreffende Meinung, dass sich Nachzuchttiere unserem Klima anpassen
und deshalb weniger wärmeempfindlich als ihre aus freier Wildbahn stammenden Elterntiere
seien, ist falsch. Eine Anpassung an änderne Lebensbedingungen benötigt Jahrtausende
und ist keine Frage von nachfolgenden Generationen. Deshalb sind Nachzuchttiere
genauso auf ein artgerechtes Klima angewiesen wie die Elterntiere. Ihr geringeres
Körpervolumen macht Jungtiere sogar empfindlicher auf Temperatur- und Feuchtigkeitsänderungen
als geschlechtsreife Schildkröten und sind deshalb in besonderem Masse auf zusätzliche
Wärme angewiesen.
Literaturtipp
MÜLLER, M. J. (1996): Handbuch ausgewählter Klimastationen der Erde. Universität
Trier, Gerold Richter, Trier 1996
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www.sigs.ch
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Zacken-Erdschildkröten:
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