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Gehegebau für europäische Landschildkröten
Einleitung
Untenstehendes Beispiel einer Freilandanlage für Griechische Landschildkröten (Testudo
hermanni boettgeri) und Breitrandschildkröten (Testudo marginata)
wurde vom Webmaster realisiert und wird hier beispielhaft dargestellt. Dabei wurden
die neuesten Erkenntnisse in der Haltung von mediterranen Landschildkröten in die
Realisierung miteinbezogen.
Ziel war es, ein bestehendes Gehege nach neuesten Erkenntnisse der Schildkrötenhaltung
umzubauen. Da die bestehende Gruppe von insgesamt 9 adulten Landschildkröten und
7 Jungtieren nicht ausquartiert werden sollten, konnte die Neugestaltung nur während
der Winterruhe stattfinden (November - Mitte März) und musste per 1. April fertig
sein. Folgende Punkte erhalten besondere Aufmerksamkeit:
- Ersatz der bestehende Holzumzäunung durch eine robuste und langlebige Abgrenzung
aus Granitplatten.
- Anpassung der Bodenstrukturen an natürliche Biotopverhältnisse.
- Simulation mediterraner Klimaverhältnisse durch Einsatz von technischen Hilfsmitteln.
- Nutzbarmachung des Geheges als Überwinterungsstandort.
- Integration der Aufzucht von Jungtieren ins Gehege der adulten Landschildkröten.
1. Planung (August - November)
Um obige Zielsetzungen innerhalb der kurzen, für Umbauten nutzbare Zeit während
des Spätherbstes und Vorfrühlings zu erreichen, musste der Umbau exakt geplant werden:
- Rechtzeitige Evaluation und Beschaffung der Materalien (Granitplatten für die Umzäunung,
2 Frühbeetkasten mit spezieller Acrylbedachung sowie die Auswahl geeigneter Wärmelampen.
- Offerteinholung und Auftragserteilung an Gartenbauunternehmung und Elektriker.
- Räumung der bestehenden Anlage und Umpflanzung der wieder einzusetzenden Pflanzen
nach Umsetzung der Tiere in die Überwinterungskisten.
- Ausstecken der neuen Geheges.
2. Umzäunung (Anfang Februar)
Als erste Tätigkeit erfolgt der Aushub, Platzierung und Einbetonierung der Granitplatten
(750 x 500 mm).
3. Unterbau der Frühbeetkasten (Mitte Februar)
Nach einem wetterbedingten Unterbruch wird mit dem Aushub der Unterbauten für die
beiden Frühbeetkasten begonnen. Diese 800 mm tiefen Mulden dienen später als Überwinterungsquartiere.
Das Aushubmaterial dient der Modellierung des Geheges, vorallem aber dem Aufbau
eines grosszügigen Eiablagehügels. Im Winter, wenn sich die Schildkröten im Substrat
des Frühbeetkastens eingegraben haben, wird dieser mit leicht feuchtem Buchenlaub
aufgefüllt. Diese Laubschicht schützt den Boden gegen Kälte und Frost. Die Abdeckungen,
welche zwecks Luftaustausch während des Winters nicht ganz auf den Seitenwänden
aufliegen, schützen vor Nässe und Schnee. Der grosse Vorteil dieser Überwinterungsmethode
liegt darin, dass die Schildkröten den Zeitpunkt des Winterschlafes selber wählen
können. Im Frühling wird die Laubschicht entfernt. Bei zunehmender Erwärmung des
Frühbeetkastens erwachen die Schildkröten selber aus dem Winterschlaf. Sie können
sich aber bei einem erneutem Kälteeinbruch wieder selber zurückziehen und eingraben.
4. Montage der Frühbeetkasten (Anfang März)
Ein Frühbeetkasten im Schildkrötengehege mit automatischem Lüfter, der eine Überhitzung
verhindert, ermöglicht den wärmebedürftigen Landschildkröten aus dem Mittelmeerraum
unser nasskaltes mittel- und nordeuropäische Klima im Frühjahr gut zu überstehen.
Sobald sich ein paar Sonnenstrahlen zeigen, erwärmt sich der Frühbeetkasten sehr
schnell und die Schildkröten können ihre Körpertemperatur auf optimale Werte steigern.
Bei nasskaltem Wetter ohne jegliche Sonnenstrahlen hingegen, kann auch ein Frühbeetkasten
keine höheren Temperaturwerte erreichen. Aus diesem Grund wird der Frühbeetkasten
zusätzlich mit einem elektrisch betriebenen Wärmestrahler versehen. Da die mediterranen
Landschildkröten ganzjährig draussen gehalten werden und damit sowieso dem Sonnenlicht
ausgesetzt sind, wird weniger auf die Lichtqualität als auf die Wärmeentwicklung
der Wärmelampe geachtet. Deshalb genügt es hier, einfache Baustrahler zu verwenden.
5. Auffüllung der Unterbauten (Mitte März)
Rindenmuld-Erdgemisch als Überwinterungssubstrat hat sich sehr bewährt. Dieses Substrat
behält seine Feuchtigkeit über lange Zeit. Seine Saugfähigkeit verhindert Staunässe.
Der hohe Säuregehalt des Substrats verhindert Fäulnisprozesse und Schimmelbildung.
6. Bodengrund (Ende März)
Der Beschaffenheit des Bodengrundes in einem Schildkrötengehege wird leider oft
zu wenig Beachtung geschenkt. Der natürliche, humusreiche Bodengrund in der Schweiz
ist mit den natürlichen Verhältnissen in den Vorkommensgebieten der mediterranen
Landschildkröten nicht zu vergleichen. Dort herrschen nämlich vorwiegend kalkhaltige,
nährstoffarme Böden vor. Diese trocknen sehr schnell ab und erwärmen sich auch entsprechend
rasch. Natürlicherweise wachsen auf solchen Böden auch keine Fettwiesenpflanzen,
sondern Gräser und Kräuter wie wir sie auf steinigem, nährstoffarmen Grund
wie zum Beispiel in renaturierten Steinbrüchen vorfinden. Genau solche Bodengrundverhältnisse
sollten wir unseren Schildkröten bieten. Der nährstoffarme Jurakalk, zum Beispiel
aus dem Lägerntal, ist dafür bestens geeignet.
7. Einzug der Schildkröten (Anfang April)
8. Aufzuchtgehege (Mitte April)
Der eine Frühbeetkasten wird für die Aufzucht von Jungtieren verwendet. Die Tiere
verbleiben ausschliesslich in dem 2 x 1 Meter grossen Gehege. An warmen Tagen wird
tagsüber ein oder zwei Abdeckungen entfernt. Nachts bleibt der Frühbeetkasten vollständig
verschlossen und damit gegen Fressfeinde geschützt. Die Jungtiere überwintern in
ihrem Frühbeetkasten auf die gleiche Weise wie die adulten Tiere.
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Updates
Schildkröten-News
SIGS
Schildkröten-Interessengemeinschaft Schweiz
www.sigs.ch
Fotogalerie:
Fotogenia
(Stefan Kundert)
Zacken-Erdschildkröten:
www.spengleri.ch
(Katja + Dominik)
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