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Winterstarre bei europäischen Landschildkrötenarten
der Gattung Testudo
Begriffsdefinition
Winterruhe
Tiere, die Winterruhe halten, ziehen sich bei ungünstiger Witterung in ihre Behausungen
zurück und fallen in einen tiefen, ruhigen Schlaf. Im Unterschied zum Winterschlaf
fällt bei diesen Tieren weder die Körpertemperatur, die Atemfrequenz noch der Blutdruck
unter die Werte eines normal schlafenden Tieres. Während der Winterruhe zehren
die Tiere entweder von zuvor angefressenen Reserven oder sie erwachen für kurze
Zeit, um sich von angesammelten Nahrungsvorräten zu ernähren.
Tiere, die eine Winterruhe halten: Braunbär, Eichhörnchen.
Winterschlaf
Gleichwarme Tiere benötigen zur Aufrechterhaltung ihrer Körpertemperatur Energie,
die sie in Form von Nahrung zu sich nehmen. Um den Winter (die kalte und nahrungsarme
Jahreszeit) zu überstehen, suchen einige gleichwarme Tiere geschützte Plätze auf
und verfallen in einen Ruhezustand - den Winterschlaf. Alle Körperfunktionen sind
während dieses Winterschlafs stark verlangsamt, um Energie zu sparen, u. a. sinkt
die Körpertemperatur in der Regel auf Werte zwischen + 5° C und 0° C.
Sinkt die Temperatur auf einen Tiefststand, der lebensbedrohlich ist, erwachen die
Tiere in aller Regel (so genannter Weckreiz). Im nächsten Frühjahr schliesslich
erwachen die Tiere und nehmen ihre normale Lebenstätigkeit wieder auf. Der Winterschlaf
wird durch Hormone gesteuert und hängt von der Aussentemperatur und der Tageslänge
ab.
Tiere, die einen Winterschlaf halten: Igel, Murmeltier, Fledermaus, Siebenschläfer.
Winterstarre (auch: Kältestarre)
Bei der Winterstarre handelt es sich um einen Zustand, in dem die wechselwarmen
Wirbeltiere den Winter überdauern. Sie sind regungslos; die Körpertemperatur gleicht
der Temperatur der Umgebung. Herzschlag, Atmung und Stoffwechsel sind in ihrer Aktivität
stark herabgesetzt. Im Gegensatz zum Winterschlaf gleichwarmer Tiere kommt es bei
lebensbedrohlichen Minusgraden nicht zu einem Erwachen der Tiere.
Tiere, die eine Winterstarre halten: Fische, Amphibien, Reptilien (z.B. Schildkröten).
Winterstarre in freier Natur
Europäische Schildkröten halten im mediterranen Raum, bedingt durch das tiefe Temperaturniveau
in freier Wildbahn, eine Winterstarre. Dies gehört zum natürlichen Jahreszyklus dieser Schildkrötenarten.
Je südlicher das Verbreitungsgebiet, desto kürzer fällt die Winterstarre aus. Einzelne
Populationen aus den wärmsten Regionen unterbrechen ihre Winterstarre hin und wieder,
um während einigen Stunden die wärmenden Sonnenstrahlen aufzunehmen. Im Durchschnitt
dauert die Winterstarre etwa 5 Monate, von Mitte Oktober bis Mitte März. In Winterstarre
fallen sowohl geschlechtsreife Tiere als auch Schlüpflinge ab erstem Lebensjahr.
Interessanterweise erwachen im Frühjahr oft die Männchen vor den Weibchen. Aus eigener
Haltung kann beobachtet werden, dass sich Breitrandschildkröten später in die Winterstarre
begeben als Griechische Landschildkröten und im Frühjahr auch wieder früher aus
der Winterstarre erwachen.
Die Vorbereitung zur Winterstarre beginnt schon viele Wochen vor der eigentlichen
Winterstarre. Das Hirn der Schildkröte registriert die abnehmende Lichtdauer (Tageslänge)
und die abnehmenden Umgebungstemperaturen. Die Aktivitätsdauer der Schildkröte wird kürzer,
die aufgenommene Nahrungsmenge wird stetig kleiner. Entgegen oft anders
lautender
Meinung beobachte ich bei meinen Schildkröten, dass sie bis zur Winterstarre Nahrung
zu sich nehmen. In den letzten Tagen vor der Winterstarre graben sich die Tiere
immer stärker ins Substrat ein, bis sie schliesslich gar nicht mehr aus ihrem Versteck
hervorkriechen und sich im Erdreich vergraben haben. Der Start der Ruhephase
ist auch individuell sehr unterschiedlich und kann bis zu einem Monat auseinander
liegen.
Wenn die ersten Strahlen der Frühlingssonne den Boden langsam aufwärmen und die
Bodentemperatur etwa 8 bis 10° C erreicht, beginnt die Schildkröte ein erstes Mal
aus ihrem Überwinterungsversteck hervor zu kriechen. Ausgiebige Sonnenbäder unter
der im März schon recht warmen Mittelmeersonne bringen den Kreislauf der Schildkröte
wieder in Schwung. Im Frühjahr steht der Schildkröte aufgrund der häufigen Regenfälle
frisches Wasser zur Verfügung, um den Wasserhaushalt der Schildkröte wieder ins
Gleichgewicht zu bringen. Erste frische Kräuter werden sehr rasch nach dem Erwachen
aus der Winterstarre aufgenommen und setzen den Verdauungsprozess in Gang.
Winterstarre in Menschenobhut
Geeignete Überwinterungsmethoden
:
Bewertung der Überwinterungsmethoden
Kalter Innenraum

Eine alt bewährte Methode ist die Überwinterung der Schildkröten in einem kühlen
Raum mit Temperaturen zwischen 2 und 6° C. Holz- oder Kunststoffkisten mit Buchenlaub
oder Rindenhäcksel (evtl. mit lockerer Gartenerde gemischt) gefüllt, sollte mäuse-
und mardersicher eingerichtet werden. Die Mindestmasse der Kisten sollten 60 x 60 x 60 cm
aufweisen. Je grösser desto besser, denn die Gefahr der Austrocknung nimmt mit zunehmendem
Substratvolumen ab. Ausserdem verfügen die Schildkröten über mehr
Bewegungsfreiheit, um sich
einzugraben. Kleine Löcher im Boden der Kiste verhindern Staunässe. Der Raum
muss abgedunkelt sein und möglichst wenig benutzt werden. Lärm, Licht und Erschütterungen
wirken störend auf die Ruhephase der Schildkröten. Eine periodische Kontrolle der
Raumtemperatur ist unabdingbar. Allenfalls ist ein Frostwächter zu installieren.
Vorteile dieser Methode:
- Gut kontrollierbar (Temperaturüberwachung)
- Meist konstante Umgebungsbedingungen, da witterungsbedingte Wärmeeinbrüche auf die
Raumtemperatur kaum Auswirkungen hat.
Nachteile dieser Methode:
- Über Beginn und Ende der Winterstarre entscheidet der Mensch und nicht die Schildkröte.
- Gefahr, dass die bereits eingegrabenen Schildkröten im Freilandgehege nicht mehr
gefunden werden.
- Längst nicht alle Schildkrötenhalter verfügen über einen geeigneten Raum zur Überwinterung
der Schildkröten.
Lüftungsschacht

Aufgrund fehlendem, geeignetem Innenraums zur Überwinterung (wie oben beschrieben)
wird oft auf die Methode der Überwinterung im Lüftungsschacht gerade bei neueren
Häusern zurückgegriffen. Dies kann unter Umständen ebenfalls ein geeigneter Überwinterungsstandort
sein, hängt aber sehr stark vom jeweiligen Standort ab. Vor erstmaligem Gebrauch
sind die Temperaturen im Winter unbedingt zu beobachten. Der Lüftungsschacht sollte
ebenfalls abgedunkelt und mäusesicher abgesperrt sein. Falls Regen in den Lüftungsschacht
eindringen könnte, muss dieser entsprechend geschützt werden. Die Überwinterungskisten
sind wie bei der Methode "Kalter Innenraum" auszugestalten.
Vorteile dieser Methode:
- Temperaturüberwachung gut möglich.
Nachteile dieser Methode:
- Über Beginn und Ende der Winterstarre entscheidet der Mensch und nicht die Schildkröte.
- Gefahr, dass die bereits eingegrabenen Schildkröten im Freilandgehege nicht mehr
gefunden werden.
- Temperaturschwankungen wie Wärmeeinbrüche können sich relativ schnell auch im Lüftungsschacht
auswirken.
- Unter Umständen können die Überwinterungskisten schlecht auf die Feuchtigkeit hin
überprüft werden oder sind schlecht einsehbar.
Kühlschrank

In den letzten Jahren wird mangels geeigneter Alternative häufiger ein eigens dafür
vorgesehener Kühlschrank als Überwinterungsort eingesetzt. Als Überwinterungskiste
werden dann kleinere Kunststoffboxen gewählt. Die Temperatur wird auf 4 - 6° C eingestellt.
Geeignet sind nur neuere Modelle, die zuverlässig, geräusch- und erschütterungsarm
arbeiten. Der Kühlschrank sollte für einen guten Luftaustausch wöchentlich
kurz geöffnet werden. Eine Wasserschale
im Kühlschrank sorgt für zusätzliche Feuchtigkeit.
Vorteile dieser Methode:
- Gegenüber den anderen Überwinterungsmethoden keine Vorteile vorhanden.
Nachteile dieser Methode:
- Über Beginn und Ende der Winterstarre entscheidet der Mensch und nicht die Schildkröte.
- Gefahr, dass die bereits eingegrabenen Schildkröten im Freilandgehege nicht mehr
gefunden werden.
- Temperaturschwankungen können im Kühlschrank erheblich sein.
- Das Temperaturgefälle zwischen oben und unten ist erheblich.
- Die Gefahr von Erfrierungen in der Nähe des Kühlaggregats ist nicht zu unterschätzen.
- Die Gefahr, dass der Kühlschrank defekt geht und dies zu spät erkannt wird, ist
erheblich.
- Die Austrocknung des Substrates durch die geringe Luftfeuchtigkeit geschieht relativ
rasch.
- Platzprobleme bei grösseren Schildkröten-Beständen.
- Überwinterungsboxen sind an sich zu klein.
Die Kühlschrankmethode ist nur dann zu empfehlen, wenn alle anderen hier aufgeführten
Methoden nicht möglich sind. Falls sie zum Einsatz kommt, ist gegenüber den anderen
Methoden ein grösserer Kontrollaufwand erforderlich. Die Rückmeldungen von "Überwinterungsunfällen"
sind bei der Kühlschrankmethode weitaus am grössten.
Überwinterungsgrube unter Frühbeetkasten

Ein Frühbeetkasten ist meines Erachtens für eine artgerechte Haltung im Freilandgehege
unbedingt erforderlich. Mit einem Frühbeetkastens erhält man zusätzlich einen idealen
Überwinterungsort, sofern dieser mit einer gegen Mäuse abgesicherte Überwinterungsgrube
von mindestens 60 cm Tiefe
versehen ist. Die Grube wird mit einem Gemisch aus feuchtem
Rindenhäcksel und lockerer Gartenerde gefüllt. Wichtig ist der Boden der Grube mit einer Drainage
zu versehen, damit eindringendes Wasser abfliessen kann. Nachdem sich die Schildkröten
selbständig in der Überwinterungsgrube zur Winterstarre begeben haben, kann der
Frühbeetkasten als Bodenisolationsschicht mit Buchenlaub aufgefüllt werden. Die
Frühbeetkastenabdeckung verhindert das Eindringen von Wildtieren und dient als zusätzliche
Kältedämmung. Im Frühjahr wird die Laubschicht entfernt und der Boden wird aufgrund
des Treibhauseffektes relativ rasch erwärmt. Die Schildkröten erwachen selbständig
aus der Winterstarre und geniessen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Ein automatischer
Fensterheber verhindert Hitzestau und eine Wärmelampe sorgt an kühlen Frühjahrstagen
für genügend zusätzliche Wärme.
Bau der Überwinterungsgrube siehe hier.
Vorteile dieser Methode:
- Der durch eine Laubschicht isolierte Boden unter einem Frühbeetkasten wird niemals
gefrieren.
- Meist konstante Umgebungsbedingungen, da witterungsbedingte Wärmeeinbrüche die Bodentemperatur
kaum beeinträchtigt.
- Die Schildkröten entscheiden selbst, wann für sie der geeignete Zeitpunkt zur Winterstarre
gekommen ist und wann sie die Winterstarre im Frühjahr beenden wollen.
- Die Vorbereitungsphase auf die bevorstehende Winterstarre kann naturnah und ungestört
ablaufen und wird nicht durch den Menschen aufgrund des Umsetzens in die Überwinterungskiste
gestört. Ein Wärmelampe unterstützt dabei den Prozess zur Winterstarre wie in der
Natur, wo auch an Oktobertagen die Sonne das Habitat noch kräftig erwärmen kann.
- Die Schildkröten graben sich je nach Bedürfnis in die für sie geeignete Substrattiefe
ein.
Nachteile dieser Methode:
- Die Kontrolle von Substratsfeuchte ist kaum möglich. Den Temperaturverlauf
kann man zwar
kontrollieren, aber kaum beeinflussen. Dies ist bei dieser Methode allerdings
auch nicht notwendig.
Überwinterung im Gewächshaus

Diese Methode entspricht weitgehend der Frühbeetkasten-Methode. Zusätzlich kann
man aber auf die Überwinterungstemperaturen mehr Einfluss nehmen. Die gegenüber
einem Frühbeetkasten zusätzlich nutzbare Fläche können die Schildkröten in den ersten
Wochen nach dem Erwachen aus der Winterstarre als grosszügiges Gehege trotz kalten
Aussentemperaturen nutzen. Aufgrund des höheren Luftvolumens sind die Lufttemperaturschwankungen
geringer als im Frühbeetkasten.
Häufige Fehler bei der Überwinterung in Menschenobhut
Ausbleibende Überwinterung
Aus Angst vor Todesfällen verhindern unwissende Schildkrötenhalter die natürliche
und lebenswichtige Phase der Winterstarre, indem sie ihre Schützlinge über den Winter
ins warme Zimmerterrarium setzen. Bei Jungtieren kommt es dabei zu Fehlentwicklungen
und führt zu Krankheit und schlussendlich zum vorzeitigen Ableben. Bei geschlechtsreifen
Weibchen wird der Eibildungszyklus gestört. Es kommt zu Legenotsituationen oder
zu verkümmernden Eiern in den Eileitern, welche unter Umständen auf natürlichem Wege den Körper nicht mehr
verlassen können. Die Eiproduktion kann unter Umständen ganz eingestellt werden.
Aus tierschützerischer Sicht ist eine verhinderte Winterstarre Tierquälerei. Es gibt
nur einen einzigen Grund die Überwinterung künstlich zu verhindern, nämlich dann
wenn eine Schildkröte vor der Überwinterungsphase ernsthaft erkrankt oder verletzt
ist. Dies sollte aber nur unter Beizug eines schildkrötenkundigen Tierarztes erfolgen.
Baden vor und nach dem Einwintern
In älterer Literatur ist immer wieder der unsinnige Hinweis zu finden, dass die
Schildkröte vor dem Einwintern ein- bis mehrmals in Wasser gebadet werden sollte,
damit sie ihren Darm entleeren können. Ein Blick auf die Natur macht verständlich,
dass dort wohl niemand die Schildkröte vor der Winterstarre badet. Baden vor der
Winterstarre ist unsinnig und bedeutet für die Schildkröte eine Stresssituation.
Die nicht auszumerzende Vorstellung, dass der Darm der Schildkröte vor der Winterstarre
entleert sein sollte, ist genauso widersinnig. Ich habe schon oft Schildkröten beobachtet,
die wenige Tage bevor sie in Winterstarre gefallen sind, Wiesenkräuter frassen,
oder die kurz nach dem Erwachen aus der Winterstarre normal konsistenten Kot abgesetzt
haben. Allerdings kann ich mir duchaus vorstellen, dass nicht artgerechtes Futter
wie Bananen oder Tomaten während der Winterstarre Schaden im Verdauungstrakt anrichten
kann. Da liegt aber das Problem nicht bei der Vorbereitungsphase auf die Winterstarre,
sondern bei der falschen Ernährung an sich. Nach Erwachen aus der Winterstarre ist
Baden ebenfalls unnötig, da die Schildkröte selbständig trinken wird, um ihren Wasserhaushalt
auszugleichen.
Vor dem Einwintern die Schildkröte ins warme Haus nehmen
Ein sehr häufiger und auch sehr fataler Fehler geschieht immer dann, wenn die wichtige
Phase der Vorbereitungszeit auf die Winterstarre unterbrochen bzw. gestört wird, indem
der natürlich ablaufende Prozess der stetig kürzer und kühler
werdenden Tage künstlich aufgehoben wird. Sobald die Schildkröte in ein
warmes, lichtdurchflutetes Zimmerterrarium oder in eine halbwarme, halbhelle
Kiste gesetzt wird, gerät die Schildkröte in einen unnatürlichen und undefinierten
Zustand. Die Schildkröte ist an sich auf die bevorstehende Winterstarre eingestellt,
die Umgebung passt aber weder vom Temperatur- noch Tageslichtverlauf dazu. Die Schildkröte
gerät dann sehr häufig in einen gefährlichen Dämmerzustand. Sie nimmt kaum Nahrung
zu sich und ist inaktiv. Der Stoffwechselkreislauf ist herabgesetzt, aber die Winterstarre
kann aufgrund der fehlenden kalten Temperaturen nicht beginnen. Hält der Zustand
über längere Zeit an, kann die Schildkröte ernsthaft erkranken.
Zu hohe Überwinterungstemperaturen
Immer wieder beklagen sich Schildkrötenhalter, dass ihre Schildkröten sich nicht
eingraben wollen oder aber immer wieder an der Oberfläche des Substrates in wachem
Zustand erscheinen. Dies kann einerseits an der fehlenden oder gestörten Vorbereitungsphase
oder aber ganz einfach an zu hohen Umgebungstemperaturen liegen. Die eigentliche
Winterstarre setzt erst bei Temperaturen unter 8° C ein.
Ideal sind Umgebungstemperaturen zwischen 2 und 6° C. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt müssen auf jeden Fall vermieden werden.
Zu trockenes Überwinterungssubstrat
Schildkröten sollten während der Winterstarre kaum Gewicht verlieren. Wenn
sie es tun, ist die Ursache in einem unnatürlichen Wasserverlust zu suchen. Eine
Schildkröte, deren Überwinterungssubstrat nicht genügend Feuchtigkeit enthält, verliert
an Wasser und trocknet aus. Deshalb sollte mindestens alle 14 Tage das Substrat
überprüft werden und allenfalls mit der Giesskanne kurz überbraust werden.
Ungeeignetes Überwinterungssubstrat
- Alle Laubarten ausser Buchenlaub sind ungeeignet, da entweder schnell
verrottend oder Gerbsäure abgebend.
- Torf, da kaum luftdurchlässig (erschwert das Atmen der Schildkröten). Trockener
Torf bildet feinen Staub, der von den Schildkröten eingeatmet wird und die Lunge
belastet.
- Heu, da stark feuchtigkeitsaufnehmend und schnell verschimmelnd.
Störung durch den Menschen während der Winterstarre
Licht, Lärm und Bodenerschütterungen sind während der Winterstarre Stressfaktoren
für die Schildkröten und sollten tunlichst vermieden werden. Aus Sorge um das Wohlergehen
der Schildkröten während der Winterstarre werden diese oftmals ausgegraben, gewogen
und einem "Gesundheitscheck" unterzogen. Diese falsche Fürsorge ist fehl am Platz
und schadet den Tieren viel mehr als sie nützt, weil die Tiere auf unnatürliche
Weise gestört und aus dem Ruhezustand geweckt werden. Diese Störungen bedeuten für die Tiere
unnötigen Energieverbrauch.
Entwurmung vor der Überwinterung
Bei übermässigem Wurmbefall ist es sinnvoll, die Schildkröten medikamentös
zu entwurmen. Die Wahl des Zeitpunktes dieser Prozedur ist wesentlich und kann im
ungünstigen Fall zum Ableben der Tiere führen. Eine Entwurmung sollte nur dann stattfinden,
wenn der Stoffwechselkreislauf der Schildkröte in vollem Gange ist, da das absichtlich
zugeführte Gift (Entwurmungsmedikament) den Schildkrötenkörper möglichst schnell
wieder verlassen soll. Deshalb ist eine Entwurmung nicht mehr ab September durchzuführen,
weil ab diesem Zeitpunkt der Stoffwechselkreislauf bereits vermindert ist. Befindet sich
während der Winterstarre immer noch Reste des Medikamentes im Verdauunstrakt der
Schildkröte kann dies zu Vergiftungen mit Todesfolge führen.
Unkontrollierte Überwinterung im Freiland
In freier Natur sind die Schildkröten in der Lage, selbständig einen geeigneten
Überwinterungsplatz zu finden. Je nach Vorkommensgebiet und dort herrschenden Wintertemperaturen
genügt ein Versteckplatz im Laub, unter einem Strauch oder aber es wird eine Stelle
mit lockerer Erde gesucht, in die ein vollständiges Eingraben bis über zehn Zentimeter
unter der Erdoberfläche, möglich ist. Die Schildkröten in freier Natur haben sich
über tausende von Jahren an die lokal herrschenden Bedingungen des Winters angepasst
und eine geeignete Überlebensstrategie angeeignet. Die Schildkröten in Menschenobhut
können ihr Verhaltensmuster nicht auf das ihnen fremde mitteleuropäische Klima anpassen.
Sie verhalten sich genau so, wie sie oder ihre Vorfahren
es in freier Wildbahn getan haben. Also auch in Menschenobhut geborene Schildkröten passen ihr Verhalten nicht
an die aktuellen Umweltbedingungen an, sondern handeln immer noch entsprechend ihrem
biologisch festgeschriebenen, usprünglichen Verhaltensrepertoire. Aus diesem Grund
ist es nicht sinnvoll, den Schildkröten in ihrem Freilandgehege ihren Überwinterungsplatz
ohne spezielle Vorkehrungen (siehe Überwinterungsmethoden) selber bestimmen zu lassen.
Das kann im einen Winter gut gehen und im nächsten Jahr zum Erfrierungstod führen.
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(Stefan Kundert)
Zacken-Erdschildkröten:
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