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Gewächshausanlage für Köhlerschildkröten
Einleitung
Schon seit ich mich mit Schildkröten befasse, hat es mir die eigentümliche Köhlerschildkröte
(Geochelone carbonaria, SPIX 1824) ganz besonders angetan. Sie unterscheidet
sich von den meisten anderen Landschildkrötenarten vorallem dadurch, dass sie einen
ganz anderen Lebensraum bewohnt. Äussere Erscheinung, Verhalten und Nahrungsspektrum
haben sich im Laufe der Evolution an die speziellen Umstände angepasst. Um eine
erfolgreiche Haltung und Vermehrung von Köhlerschildkröten zu erzielen, müssen diese
Besonderheiten bei den Haltungsbedingungen und der Pflege berücksichtigt werden.
Gelingt die Umsetzung der arttypischen Anforderungen an die Haltung in Menschenobhut,
ist die Köhlerschildkröte eine robuste, langlebige und gut zu vermehrende Schildkrötenart.
Seit über 20 Jahren halte ich Köhlerschildkröten. Die ersten Jahre der Pflege waren
geprägt von suboptimalen Haltungsbedingungen. Mir fehlten zur artgerechten Haltung
ganz einfach die notwendigen Kenntnisse. Deutschsprachige Fachliteratur über Köhlerschildkröten
war nicht vorhanden und das Internet gab es auch noch nicht. Erst die Erfahrungen
aus langjähriger Schildkrötenhaltung sowie der Kontakt zu anderen Köhlerschidlkrötenhaltern
haben zum heutigen Kenntnisstand geführt. Da ich meine kleine Gruppe von Köhlerschildkröten
gemeinsam mit anderen tropischen Landschildkrötenarten pflegte, machte ich Kompromisse
bezüglich Temperatur und Feuchtigkeit. Die adulten Tiere konnten zwar gesund erhalten
werden, Nachzuchterfolge waren bei dieser Haltung aber nicht möglich. So entschloss
ich mich 1996 eine Schildkrötenanlage ausschliesslich für Köhlerschildkröten zu
realisieren, die nur auf die Bedürfnisse dieser Tiere abgestimmt ist.
Gewächshaus mit angrenzendem Freilandgehege
Meine sieben geschlechtsreifen Köhlerschildkröten (5 Weibchen, 2 Männchen) stammen,
soweit ich deren Ursprung kenne, aus den wechselfeuchten Tropen mit zwei Jahreszeiten,
einer Regen- und einer Trockenperiode. Die tiefsten mittleren Temperaturen erreichen
dort nie Werte unter 20° C, die Höchstwerte gehen selten über 35° C. Die jahreszeitlichen
Temperaturschwankungen sind kaum nennenswert und geringer als die tageszeitlichen
Schwankungen (MÜLLER, M. J. 1996). Im Vergleich zu den genannten Klimawerten sind
unsere mitteleuropäischen Klimawerte wesentlich tiefer. Weder die hohen Temperaturen
noch die hohe Luftfeuchtigkeit werden auch nur annähernd erreicht. Durch den Einsatz
eines geräumigen Gewächshauses und mit technischer Unterstützung können die hohen
Temperatur- und Feuchtigkeitswerte trotz unseres schildkrötenfeindlichen Klimas
erreicht werden. Ausserdem ist es möglich, unterschiedliche Jahreszeiten zu simulieren.
Durch Sonneneinstrahlung werden Gewächshäuser sehr stark erwärmt, kühlen aber bei
fehlender Sonneneinstrahlung auch wieder schnell ab. Mittels Heizung kann eine jahreszeitlich
relativ gleichmässige Grundtemperatur eingestellt werden, durch Sonneneinstrahlung
tagsüber wird eine erhöhte Innentemperatur erreicht. So erhält man hohe tageszeitliche
und geringe jahrezeitliche Temperaturschwankungen - genauso wie es die Köhlerschildkröten
in ihren Verbreitungsgebieten vorfinden. Die Regenzeit wird im mitteleuropäischen
Sommer durch eine täglich eingesetzte Beregnungsanlage im Gewächshaus simuliert.
Im Aussengehege, welches die Tiere an warmen Sommertagen aufsuchen können, sorgen
die zahlreichen Sommergewitter und Regenschauer für genügend Feuchtigkeit. Im Winter
herrscht in meinem Gewächshaus Trockenzeit, das heisst die Beregungsanlage wird
nicht mehr eingesetzt oder nur an wenigen Tagen ganz kurz in Betrieb genommen. Trockenzeit
bedeutet für unsere Verhältnisse immer noch extrem hohe Luftfeuchtigkeit (ca. 70
– 80%). Diese wird mittels Ultraschallvernebler und Tuffsteinbrunnen erzeugt.
Gewächshaus
Die gesamte Anlage befindet sich auf einer gegen Süden ausgerichteten, erhöhten
Terrasse. Das Gewächshaus in Wintergartenqualität besteht aus einer wetterbeständigen
Aluminiumkonstruktion mit rostfreien Schrauben und verstärktem Bodenprofil. Länge,
Breite: 3.10 m, Firsthöhe: 2.50 m, Seitenhöhe: 1.80 m. Die Wände bestehen aus Doppelisolierglas,
die Decke aus Polycarbonat-Doppelstegplatten. Das Gewächshaus ist zugänglich durch
eine abschliessbare Schiebetüre mit Durchgangsbreite von 0.80 m. Zwei Dachfenster
mit automatischem Dachfensteröffner (öffnet und schliesst mittels sonnenenergiebetriebenen
Lüftern) sorgen für die Entlüftung des Gewächshauses. Integrierte Dachrinnen und
Ablaufrohre führen das Regenwasser ab. Die Alu-Konstruktion ist auf einem soliden,
betoniertem Fundament gut verschraubt.
Technische Einrichtung
Die Beheizung erfolgt durch zwei unabhängige elektrische Lüftungsheizer (je 2000
Watt) mit Thermostat und Stufenregelung. Durch die Belüfter wird auch für eine gute
Durchmischung der Luft im Gewächshaus gesorgt, auch wenn die Dachfenster wetterbedingt
geschlossen bleiben. Es ist wichtig, die temperaturabhängige Luftschichtung, welche
in Gewächshäusern relativ schnell entsteht, zu bekämpfen. In der Dachregion des
Gewächshauses kann die Temperatur schnell 50° C erreichen, während die Bodentemperatur
kaum 25 °C aufweist. Weiter ist zu beachten, dass keine Zugluft in Bodennähe entsteht.
Die Beregnungsanlage besteht aus einem am Dach aufgehängten Kunststoffrohr mit einstellbaren
Spritzdüsen, sodass der künstliche Regen aus sehr feinen Wassertröpfchen besteht.
Das Kunststoffrohr ist an einer Wasserleitung angeschlossen. Besonders zu beachten
ist, dass die Düsen die Bildung von sehr kleinen Wassertröpfchen zulässt. Damit
wird bei hoher Temperatur eine rasche Erwärmung des künstlichen Regens erreicht.
Die Köhlerschildkröten lieben solche Regengüsse und diese stimulieren die Männchen
regelmässig zu Paarungsversuchen. Eine Beregnung der Anlage wird ausschliesslich
bei einer Gewächshaustemperatur von 30° C vorgenommen. Deshalb verzichte ich auf
eine zeitlich automatisierte Beregnung.
Ein freistehendes, gegen Süden ausgerichtetes Gewächshaus bietet bestmögliche Lichtverhältnisse
für die Schildkröten. Trotzdem genügen die natürlichen Lichtverhältnisse nicht,
auch wenn Köhlerschildkröten sicherlich nicht zu den sonnenhungrigsten Schildkrötenarten
gehören. Die während den Wintermonaten in unseren Breitengraden über mehrere Wochen
dauernde Nebelbildung ergibt ein diffuses, gleichmässiges Licht, welche die Schildkröten
in ihren Verbreitungsgebieten in dieser Ausprägung sicherlich nicht kennen. Es ist
bekannt, dass die Lichtintensität für die Gesundheit der Schildkröten eine wesentliche
Rolle spielt. Seit Entstehen der Anlage erprobte ich verschiedenste Lichtsysteme.
Nur durch Verwendung von Halogen-Metalldampflampen (HQI, 1x 150 Watt, 1x 70 Watt)
erreichte ich, dass sich die Köhlerschildkröten unter der Lampe aufhalten und Sonnenbäder
nehmen. Entscheidend dabei ist nicht die von der Lampe ausgehende Wärmestrahlung,
sondern die besonders hohe Lichtintensität, welche mit diesen Lampen erreicht werden
kann. Ausserdem wird seit Verwendung dieser Lampen ausschliesslich die bestrahlte
Stelle als Eiablageplatz benutzt.
Ausstattung
Von Beginn weg sollten sich die Schildkröten in einer natürlich gewachsenen Vegetation
aufhalten können. Voraussetzung dafür ist eine halbjährige Phase ohne Besatz des
Gewächshauses mit Schildkröten, so dass die Pflanzen gut anwachsen und eine gewisse
Grösse entwickeln können. Das Wachstum der Pflanzen ist nach einer einjährigen Eingewöhnungszeit
rasant. So müssen diese mindestens halbjährlich in ihrem Wachstum durch rigoroses
Zurückschneiden gehemmt werden. Dabei gilt es immer wieder zu beachten, dass genügend
Versteck- und Schattenplätze einerseits, aber auch genügend Sonnenflecken andererseits
im Gewächshaus vorhanden sind. Der Bodengrund wurde nicht künstlich gegen unten
isoliert, um den Pflanzen eine natürliche Wurzelbildung zu ermöglichen. Eine natürliche
Isolationsschicht bildet eine 30 cm starke, trockene Torfschicht. Darüber hat sich
als Bodensubstrat Rindenhäcksel und Rindenmulch bewährt. Der Säuregehalt dieses
Bodens verhindert weitgehend die für die Schildkröten gefährliche Pilzsporenbildung.
Im Gegensatz zur Regenzeit, wo die Bodenstruktur einem mit Wasser vollgesaugten
Schwamm ähnelt, ist das Substrat im Winter nur leicht angefeuchtet. Die Köhlerschildkröten
lieben es, in warmen Wasserlachen zu suhlen und können Stunden bis Tage darin verbringen.
Ausserdem sind sie gern angenommene Trinkgelegenheiten. In der Anfangsphase wurde
im Gewächshaus ein kleiner Teich angelegt, der von den Tieren gerne benutzt wurde.
Leider verkam dieser Teich aber durch Kotabgabe immer wieder sehr schnell zum übel
rie-chenden Bakterienherd. So wurde dieser Teich durch ein von den Tieren unerreichbares
Wasserbecken ersetzt, in welchem das Wasser über einen grösseren Tuffstein rieselt
und so zwischen den Beregnungen zusätzlich eine erhöhte Luftfeuchtigkeit erzeugt.
Eine mit kleinen Holzpalisaden versehene Umzäunung verhindert den direkten Kontakt
der Tiere mit den Glaswänden. So wird die bodennahe Verschmutzung der Scheiben verhindert
und ein Berühren der an extremen Wintertagen kalten Glaswänden verunmöglicht.
Aussenanlage
Die an das Gewächshaus angrenzende Aussenanlage umfasst 10 m2. Sie besteht aus naturbelassenem,
steinigem und nährstoffarmen Bodengrund, welcher im Frühling durch Gräser und Kräuter
überwachsen wird. Gegen den Hochsommer hin wird die Wiesenvegetation jedoch vollständig
von den Schildkröten abgeweidet. Zahlreiche Büsche bieten genügend Schatten- und
Versteckplätze und strukturieren das Gehege.
Schluss
Tropische Landschildkröten und vorallem die grösser werdenden Arten unter ihnen,
zu denen auch die Köhlerschildkröte gehört, sind bezüglich Haltung als ausgesprochen
aufwändig und schwierig zu bezeichnen. Um eine ganzjährige Haltung in grosszügem
und winterfesten Gewächshaus mit an-grenzendem Freigehege zu realisieren, war bei
mir eine Investition von rund SFr. 10'000.- notwendig. Die jährlichen Energiekosten
belaufen sich auf ca. SFr. 2'000.-, je nach Härte des Winters. Man muss sich bewusst
sein, dass trotz möglicher Aussentemperaturen von -20° C für die meisten tropischen
Landschildkröten im Gewächshaus Lufttemperaturen in Bodennähe von tagsüber 26° C
und nachts mindestens 20° C erreicht wer-den müssen. Trotz dieser Nachteile bin
ich ein starker Befürworter von ganzjährig nutzbaren Gewächshausanlagen für tropische
Landschildkröten, da einerseits die auf natürliche Weise wechselnden Licht-, Temperatur-
und Feuchtigkeitsbedingungen genutzt und andererseits mit dem Treibhauseffekt tropische
Bedingungen ideal simuliert werden können. Insbesondere bei Köhlerschildkröten kann
ich mir die Haltung in Zimmerterrarien nicht vorstellen, da die notwendigerweise
hohe Luftfeuchtigkeit mit simulierten Regenschauern kaum ohne Schäden an der Bausubstanz
zu realisieren ist.
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Updates
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Zacken-Erdschildkröten:
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(Katja + Dominik)
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